Schweizer Premiere im Oberaargau: Neues Schulterimplantat erstmals eingesetzt

Wenn Schmerzen den Alltag bestimmen
Christian V. (53) aus dem Oberaargau litt über Jahre an Schmerzen in der rechten Schulter, zuletzt immer stärker. «Die Schmerzen waren vor allem nachts kaum mehr auszuhalten. Ich wusste: So kann es nicht weitergehen», erinnert sich der Patient. Als körperlich arbeitender Mensch stiess er zunehmend an seine Grenzen. Die Abklärungen im Spital Langenthal zeigten eine weit fortgeschrittene Schulterarthrose. Teile der Gelenkpfanne waren stark abgenutzt – eine herkömmliche Prothese hätte hier keinen sicheren Halt gefunden.

Wann ist Schultergelenkersatz sinnvoll?
Bei fortschreitender Arthrose nehmen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu. Schonhaltungen führen zu Muskelschwund und zunehmender Gelenksteife. Ein Schultergelenkersatz wird erwogen, wenn:
• trotz Behandlung starke Schmerzen bestehen,
• die Beweglichkeit abnimmt und Muskelschwund eintritt,
• bildgebende Untersuchungen eine fortgeschrittene Gelenkschädigung zeigen.

Präzise Planung und neues Implantat
Am Spital Langenthal kam eine schaftfreie, inverse Schulterprothese der Firma ENOVIS zum Einsatz. Sie wurde für Patientinnen und Patienten mit starkem Knochenverlust entwickelt und bietet auch bei schwierigen anatomischen Verhältnissen sicheren Halt. Der notwendige Defektaufbau erfolgt an der Gelenkpfanne. Die Operation wurde von Dr. med. Wolfgang Wegener durchgeführt.

Die Prothese kommt häufig ohne langen Prothesenschaft im Oberarmknochen aus, wodurch vorhandene Knochensubstanz geschont wird. Entscheidend war zudem eine individuelle 3D-Planung. Eine patientenindividuelle Bohrführung aus dem 3D-Druck ermöglicht die präzise Platzierung des Implantats. «Solche individuellen Planungen eröffnen neue Möglichkeiten bei komplexen Schultererkrankungen», sagt Dr. med. Wolfgang Wegener, Leitender Arzt Orthopädie am Spital Langenthal.

Erste Anwendung in der Schweiz
Die erste Operation mit dem neuen Implantat fand am 3. Dezember 2024 statt. Der Eingriff erfolgte präzise von Hand, gestützt auf die 3D-Planung. Der Heilungsverlauf wurde über längere Zeit beobachtet. Inzwischen wurden weitere Patientinnen und Patienten am Spital Langenthal mit diesem Implantat behandelt. Die neue Prothese erweitert das Spektrum besonders bei starkem Knochenverschleiss, bei dem herkömmliche Implantate an Grenzen stossen.

Rehabilitation beginnt früh
Bereits am ersten Tag nach der Operation startete die physiotherapeutische Begleitung. Ziel: Beweglichkeit erhalten und das Einheilen der Prothese unterstützen. Zunächst kamen Kälte- und Lymphtherapie zum Einsatz. Für mehrere Wochen wurde eine Schulterorthese getragen, danach folgten passive und aktiv unterstützte Übungen. Dauer und Art der Nachbehandlung werden individuell festgelegt.

Ein Jahr später: Ein positives Fazit
Ein Jahr nach dem Eingriff ist Christian V. beschwerdefrei. «Heute kann ich den Arm wieder schmerzfrei bewegen. Das hätte ich mir vor einem Jahr nicht vorstellen können», sagt der Patient. Zum Ablauf der Behandlung ergänzt er: «Vor der Operation war ich unsicher. Doch das Team am Spital Langenthal gab mir Vertrauen. Nach dem Eingriff spürte ich täglich Fortschritte – heute bin ich wieder schmerzfrei und beweglich.»

Mehr Möglichkeiten in der Region
Dank moderner Implantate und präziser Planung können komplexe Schulteroperationen wohnortsnah im Oberaargau durchgeführt werden. Für Patientinnen und Patienten bedeutet dies kürzere Wege und Behandlung in der Region. Mit dieser Schweizer Premiere unterstreicht das Spital Langenthal seine Rolle als innovatives orthopädisches Zentrum.
 

Weitere Informationen


Bildlegende: Das Operationsteam der Orthopädie am Empfang des Spitals Langenthal: Dr. med. Wolfgang Wegener (Mitte), Cédric Engler (links) und Julia Wallkamm (rechts)

 

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