Wenn Hormone mitreden
Müdigkeit, Gewichtszunahme oder diffuse Beschwerden: Oft steckt mehr dahinter, als man denkt. Im Spital Langenthal (SRO AG) setzt genau hier die Endokrinologie an.
Text von Patrick Jordi (MYLA Langenthal GmbH)
Seit rund zwanzig Jahren lebt eine 65-jährige Patientin aus der Region mit Diabetes Typ 2. Lange Zeit waren ihre Werte stabil, betreut wurde sie hauptsächlich vom Hausarzt. Doch in den letzten Monaten wurde die Einstellung schwieriger: zunehmende Müdigkeit, Gewichtszunahme, Unsicherheit im Umgang mit Medikamenten. Schliesslich folgt die Überweisung ans Spital Langenthal.
Hier kommt die Endokrinologie des SRO ins Spiel – ein Fachgebiet, das sich mit Hormonen beschäftigt. Diese körpereigenen Botenstoffe steuern zentrale Prozesse wie Stoffwechsel, Energiehaushalt, Schlaf, Wachstum oder Fruchtbarkeit. Gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht, kann das sehr unterschiedliche Auswirkungen haben – oft schleichend und nicht sofort eindeutig zuzuordnen.
«Viele Beschwerden werden lange nicht als hormonelle Störung erkannt», sagt Dr. med. Umberto Spennato, seit Dezember 2025 am Spital Langenthal tätig (vgl. Interview weiter unten). Entsprechend führt der Weg in die Endokrinologie meist über die Hausarztpraxis oder andere Fachbereiche. Erst wenn sich Hinweise auf eine hormonelle Ursache verdichten – etwa bei auffälligen Laborwerten, anhaltender Müdigkeit oder unklaren Stoffwechselproblemen – erfolgt die Zuweisung.
Die Endokrinologie am Spital Langenthal besteht aus einem kleinen, fachspezifischen Team. Dr. med. Umberto Spennato ist der einzige Endokrinologe, arbeitet aber eng mit zwei Diabetesberaterinnen sowie der Ernährungsberatung und anderen SRO-Fachbereichen zusammen.
Multidisziplinär zusammenarbeiten
In der Abklärung geht es dann darum, das Gesamtbild zu verstehen: Gespräche, gezielte Laboranalysen und weitere Untersuchungen helfen, die Ursachen einzuordnen. Auf dieser Basis wird die Therapie angepasst – oft in enger Zusammenarbeit mit der Diabetes- und Ernährungsberatung.
Gerade Diabetes nimmt im Alltag der Endokrinologie viel Raum ein. «Rund 80 Prozent unserer Patientinnen und Patienten betreffen den Diabetes mellitus», sagt Dr. med. Spennato. Gleichzeitig umfasst das Fachgebiet weit mehr: Schilddrüsenerkrankungen, Osteoporose oder andere hormonelle Störungen gehören ebenso dazu.
Für die Patientin bedeutet die Betreuung am Spital Langenthal vor allem eines: Orientierung. Die Therapie wird neu eingestellt, Fragen werden geklärt, Unsicherheiten abgebaut. Ein Beispiel, das zeigt, wie wichtig es ist, die leisen Signale des Körpers ernst zu nehmen – und ihnen auf den Grund zu gehen.
Dr. med. Umberto Spennato im Interview mit Patrick Jordi (MYLA Langenthal GmbH) über Hormone, Volkskrankheiten – und warum gute Kommunikation zentral ist.
Herr Spennato, Endokrinologie – was ist das genau?
Die Endokrinologie beschäftigt sich mit Hormonen – also Botenstoffen, die zahlreiche Funktionen im Körper steuern. Da diese Prozesse eng miteinander verknüpft sind, ist die Endokrinologie ein Fachgebiet, das verschiedene Organsysteme gleichzeitig betrachtet.
Welche Rolle spielen hormonelle Erkrankungen im Alltag?
Hormonelle Erkrankungen spielen im Alltag eine wichtige, oft unterschätzte Rolle. Hormone beeinflussen zentrale Funktionen wie Energie, Gewicht, Stimmung, Schlaf oder Leistungsfähigkeit. Entsprechend können Störungen zu unspezifischen, aber belastenden Beschwerden führen und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Gleichzeitig lassen sich viele dieser Erkrankungen bei rechtzeitiger Diagnose gut behandeln.
Diabetes gilt als Volkskrankheit. Warum?
Diabetes ist eine chronische Erkrankung, die viele Menschen betrifft. Wenn sie nicht gut behandelt wird, kann sie verschiedene Organe schädigen. Unser Ziel ist, den Blutzucker individuell möglichst gut einzustellen und die Komplikationen zu vermeiden.
Was hat sich in der Behandlung in den letzten Jahren verändert?
Sehr viel. Gerade im Bereich Diabetes gibt es heute moderne Technologien wie Sensoren oder intelligente Insulinpumpen. Diese können die Funktion der Bauchspeicheldrüse teilweise nachbilden und ermöglichen eine sehr individuelle Therapie.
Wie ist die Endokrinologie am Spital Langenthal aufgestellt?
Wir sind ein kleines, fachspezifisches Team. Ich bin der einzige Endokrinologe, arbeite aber eng mit zwei Diabetesberaterinnen sowie der Ernährungsberatung und anderen Fachbereichen zusammen. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist ein grosser Vorteil für unsere Patientinnen und Patienten.
Was schätzen Sie an einem regionalen Spital besonders?
Es ist sehr familiär, die Wege sind kurz, und der Austausch zwischen den Fachbereichen funktioniert gut. Wir finden schnell Lösungen.
Was ist Ihnen im Umgang mit Patientinnen und Patienten wichtig?
Kommunikation. Die Menschen sollen verstehen, was passiert. Viele sind verunsichert – deshalb ist es wichtig, offen und transparent zu informieren und Ängste abzubauen.