Beim Hirnschlag entscheiden Minuten. Erkennen, handeln, schützen
Was passiert im Gehirn?
Das Gehirn braucht ständig Blut. Zwei Halsschlagadern vorne und zwei Wirbelarterien hinten übernehmen diese Versorgung. Von dort verzweigen sich die Gefässe in immer feinere Äste – bis in den letzten Winkel des Hirns. Verschliesst sich eines davon (Gefässverschluss), fällt das betroffene Areal schlagartig aus. Je grösser das Gefäss, desto ausgedehnter der Schaden. Wird der Verschluss nicht rasch behoben, sterben Gehirnzellen unwiederbringlich ab. Die Folgen: Lähmungen, Sprachverlust, Sehstörung.
Sieht jeder Hirnschlag gleich aus?
Nein. Das Gehirn ist in Sektoren aufgeteilt, die je für eine bestimmte Funktion zuständig sind: Das Sprachzentrum liegt bei den meisten Menschen im linken Grosshirn, das Sehen wird ganz hinten verarbeitet, Gleichgewicht und Bewegungskoordination steuert das Kleinhirn und der Hirnstamm. Je nachdem, welches Gefäss betroffen ist, zeigt der Hirnschlag ein sehr unterschiedliches Bild – von einer isolierten Sehstörung bis zur Lähmung auf einer Körperseite
Wie erkenne ich einen Hirnschlag?
Manche Zeichen sind offensichtlich: ein hängender Mundwinkel, plötzlich unverständliche Sprache, Schwäche in Arm oder Bein. Andere sind weniger eindeutig. Neu einsetzender Schwindel, Taubheit in einem Körperteil oder eine Sehstörung können genauso Anzeichen sein. Wichtig ist es, sich unverzüglich notfallärztlich behandeln zu lassen.
Kündigt sich ein Hirnschlag an?
Manchmal ja, und zwar Stunden bis Wochen vorher. Wir sprechen dann von einer sogenannten Streifung. Die Symptome sind dieselben wie beim Hirnschlag, verschwinden aber vollständig – per Definition innerhalb von 24 Stunden. Eine Streifung ist ein ernstes Warnsignal und muss sofort in der Notaufnahme abgeklärt werden – auch wenn sich alles wieder normal anfühlt.
Warum verschliesst sich ein Gefäss im Hirn?
Die Ursachen sind vielfältig. Häufig verschliessen sich sehr kleine Gefässe durch Alterungsprozesse, langjährigen Bluthochdruck oder Rauchen. Manchmal löst sich ein Blutgerinnsel aus dem Herzen oder der Halsschlagader und verstopft ein grösseres Gefäss im Hirn. Dann sind mehr Hirnareale betroffen und der Hirnschlag verläuft schwerer. Die Abklärung der Ursache ist wichtig für die weitere Behandlung. Neurologie und Kardiologie arbeiten dabei eng zusammen, bei Bedarf werden weitere Fachrichtungen beigezogen.
Wie schütze ich mich?
Wer gesund lebt, hat ein niedriges Hirnschlagrisiko. Bluthochdruck, Zigarettenkonsum und Übergewicht sind die wichtigsten Risikofaktoren – alle drei belasten Herz und Gefässe. Bereits eine relevante Senkung des Blutdrucks reduziert das Hirnschlagrisiko um knapp 30 Prozent. Eine regelmässige körperliche Betätigung und eine ausgewogene Ernährung sind als Vorsorge essenziell.
Wie behandeln wir einen Hirnschlag?
Zeit ist das Entscheidende. Mit jeder Minute sterben bis zu zwei Millionen Gehirnzellen ab. Das Ziel: das verschlossene Gefäss so rasch wie möglich wieder öffnen («rekanalisieren»).
Es gibt zwei Wege: Erstens eine Infusion über die Vene, die das Blutgerinnsel auflöst. Zweitens, wenn ein grösseres Gefäss betroffen ist, die direkte Entfernung des Gerinnsels über einen Katheter. Beide Methoden werden häufig kombiniert. Das Behandlungsfenster hat sich dank medizinischem Fortschritt von drei auf bis zu 24 Stunden erweitert. Das Spital Langenthal führt die Infusionstherapie in enger Zusammenarbeit mit dem Inselspital Bern durch.
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