Morbus Crohn: mysteriöse Entzündung im Bauch

Morbus Crohn gehört zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, die auch heute noch oft verzögert diagnostiziert werden und schwer zu behandeln sind. Wie erkennt man diese Erkrankung und welche Möglichkeiten gibt es, um möglichst beschwerdefrei damit zu leben? PD Dr. med. Kaspar Truninger, Ärztlicher Leiter der Praxis Gastroenterologie Oberaargau AG und der Gastroenterologie im Spital Langenthal, klärt auf.

Kaspar Truninger, was ist Morbus Crohn?
«Morbus Crohn und Colitis ulcerosa werden unter dem Begriff ‹chronisch entzündliche Darmerkrankungen› zusammengefasst. Im Gegensatz zur Colitis ulcerosa, welche nur den Dickdarm betrifft, kann bei Morbus Crohn der gesamte Magen-Darm-Trakt vom Mund bis zum After befallen sein, wobei am häufigsten der letzte Teil des Dünndarms und der Dickdarm betroffen sind. Da die Entzündung alle Wandschichten des Darmes erfassen kann, ist auch ein Übergreifen auf andere Strukturen und Organe möglich.»

Wo liegen die Ursachen dieser Krankheit?
«Man geht heute davon aus, dass nicht ein einzelner Faktor, sondern eine Kombination verschiedener Faktoren zu Morbus Crohn führen kann. Dabei spielen die Gene und abnorme Reaktionen des Immunsystems gegenüber Bakterien und verschiedenen Umwelteinflüssen eine Rolle.»

Welches sind typische Symptome?
«Die häufigsten Symptome sind Bauchschmerzen und Durchfall, teilweise mit Blut. Manchmal kommt es auch zu Übelkeit und Erbrechen. Verschiedene Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust sowie Fieber können ebenfalls auftreten. Die chronische Entzündung kann sich auch in Organen ausserhalb des Bauches manifestieren, vor allem in Gelenken, der Haut und in den Augen.»

Wie wird Morbus Crohn diagnostiziert?
«Da Bauchsymptome nicht immer im Vordergrund stehen, dauert es oft Monate oder gar Jahre bis zur Diagnose. Blutuntersuchungen können erste Hinweise geben. Wichtig sind Stuhluntersuchungen, welche auf eine Entzündung im Magen-Darm-Trakt hinweisen und andere Durchfallerkrankungen wie z. B. Infektionen ausschliessen. Entscheidend ist jedoch die Darmspiegelung mit Entnahme von Gewebeproben, welche mikroskopisch analysiert werden. Die Diagnose von Morbus Crohn basiert somit nicht auf einem einzelnen Untersuchungsergebnis, sondern auf den Symptomen und verschiedenen diagnostischen Befunden.»

Welche Therapien gibt es?
«Da die Ursache von Morbus Crohn bisher unbekannt ist, ist eine Heilung bzw. Therapie der Ursache nicht möglich. Das Ziel der Behandlung ist daher, dass Betroffene möglichst beschwerdefrei sind und dass die Entzündung so schnell wie möglich in einen inaktiven Zustand gebracht wird, um so das Auftreten von Komplikationen wie Abszessen oder Fisteln zu vermeiden. Zudem muss individuell entschieden werden, ob die Therapie der aktiven Entzündung genügt oder ob eine langfristige Basistherapie notwendig ist, um das Risiko für ein Wiederauftreten der Entzündung zu reduzieren. Für die akute und langfristige Therapie stehen heutzutage viele verschiedene Medikamente zur Verfügung, die je nach Schweregrad und Lokalisation der Entzündung eingesetzt werden. Die verschiedenen Therapien erfolgen meist ambulant. Wenn die medikamentöse Therapie nicht genügt, oder beim Auftreten von Komplikationen, ist manchmal eine Operation nötig.»

Welche Rolle spielt die Ernährung?
«Die Häufigkeit von Morbus Crohn hat in den letzten Jahren in westlichen Ländern zugenommen, die Ursache dafür ist jedoch nicht ernährungsbedingt. Als Therapieform haben Diäten bei Erwachsenen kaum einen Stellenwert, werden aber manchmal bei Kindern eingesetzt. Hingegen können Ernährungsfaktoren die Symptome und den Krankheitsverlauf beeinflussen. Einige Patienten mit Morbus Crohn entwickeln Unverträglichkeiten, zum Beispiel eine Intoleranz gegenüber Milchzucker. Wichtig ist das Erkennen von Mangelzuständen (Vitamine, Mineralien etc.) und gegebenenfalls eine gezielte Extrazufuhr durch hochwertige Nahrungsergänzungsmittel.»

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