Wechseljahre – Zeit des Umbruchs

Die Wechseljahre – eine Zeit des Umbruchs, aber auch des Aufbruchs. Nicht nur biologisch gesehen, sondern auch symbolisch und gesellschaftlich.

Die Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, sind ein natürlicher Lebensabschnitt zwischen 45 und 55 Jahren. Nicht allen Frauen fallen der bewusste Abschied von der Fruchtbarkeit und das Älterwerden leicht. Während dieser Phase tritt der Verlust der Sexualhormonproduktion ein. Im Alltag können sich die hormonellen Veränderungen bemerkbar machen.

Wie wird der Körper reagieren? Wie wird sich das Frausein verändern? Und was kommt nun, da die Kinder aus dem Haus und die beruflichen Ziele meist erreicht sind? Diese Fragen stellen sich viele Frauen. Wechseljahrbeschwerden, ob nun körperlicher oder seelischer Natur, sind dann zusätzlich belastend und beeinträchtigen die Lebensqualität. Zu den häufigsten Beschwerden gehören Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen. Die hormonelle Umstellung kann sich aber auch in Gefühlsausbrüchen, erhöhter Reizbarkeit und Vergesslichkeit äussern. Häufig wird auch eine Scheidentrockenheit beklagt, die den Geschlechtsverkehr erschwert, oder die Libido verändert sich. Auch andere Schleimhäute wie die Mund- und Augenschleimhaut können trocken werden.

«Nach und nach stellt der Körper nun die Produktion der weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen ein. Die Zyklen werden unregelmässiger und die Menstruation verändert sich in Stärke oder Dauer. Das durchschnittliche Alter bei der letzten Periodenblutung liegt bei 52 Jahren, d.h. im Alter zwischen 45 und 55 Jahren ist dies normal. Die Menopause beginnt ein Jahr nach der letzten Periode», erklärt Dr. med. Dorothea Hefti, Leitende Ärztin im Spital Langenthal, und hält fest: «Mit dem Absinken weiblicher Sexualhormone im Blut gehen einige Veränderungen einher, die zu individuell unterschiedlich ausgeprägten Beschwerden führen. Während manche Frauen stark darunter leiden, haben andere wiederum praktisch kaum Probleme.»

Leichte Symptome natürlich lindern
Zur Linderung von leichten Beschwerden setzt Dorothea Hefti mit dem Einverständnis der Patientin häufig zunächst pflanzliche Wirkstoffe mit hormonähnlicher Wirkung ein. Ein traditionelles Mittel gegen Frauenleiden ist die Traubensilberkerze. Die Wurzelextrakte der Pflanze sind vor allem gegen anfallsweise auf- und absteigende Wärmewellen und damit verbundene Schweissausbrüche wirksam. Auch Salbeitropfen oder Sojaprodukte reduzieren Hitzewallungen. Letztere enthalten Isoflavone, die östrogenähnliche Wirkungen entfalten. Übrigens: Aufgrund ihrer sojareichen Ernährung zeigen Frauen in Asien deutlich weniger Wechseljahrsymptome. Insbesondere der Mangel an Gestagen kann Schlaflosigkeit verursachen. Baldrian und Hopfen können helfen, einen guten Schlaf zu finden. Leichte Verstimmungen lassen sich mit Phytohormonen (pflanzliche Hormonstoffe) mildern, die in Mönchspfeffer, Rotklee oder Soja enthalten sind.

«Heute weiss man, dass eine individualisierte Hormontherapie die Lebensqualität insbesondere jener Frauen steigert, die stark leiden.»

Hormontherapie
Bei gut einem Drittel der Frauen in den Wechseljahren sind die Symptome jedoch so stark ausgeprägt, dass pflanzliche Mittel nicht ausreichend wirken. «Heute weiss man, dass eine individualisierte Hormontherapie die Lebensqualität insbesondere jener Frauen steigert, die stark leiden.» Die Wirkung setzt relativ schnell ein. Besonders profitieren Knochenstabilität, Haut und Haare. Nach neusten Erkenntnissen besteht auch vonseiten des Herz-Kreislauf-Systems ein Vorteil», betont die Frauenärztin. Man kann eine Hormonersatztherapie bis zehn Jahre nach der letzten Periode beginnen, sofern keine anderen gesundheitlichen Risiken bestehen. Östrogenmangel wird vorzugsweise über die Haut (Pflaster oder Gel) behandelt, um Nebenwirkungen zu vermindern. Wenn eine Frau die Gebärmutter noch hat, muss auch das Gestagen ersetzt werden. Nach fünf Jahren sollte die Hormonersatztherapie wieder ausgeschlichen werden.

Viele Frauen bekunden nach wie vor Bedenken in Bezug auf negative Auswirkungen einer Hormontherapie. Woher rühren diese Ängste?

2002 wurden Ergebnisse der Women’s-Health-Initiative-Studie in den Medien publiziert, welche nach dem heutigen Wissensstand fehlinterpretiert wurden. Es breitete sich die Überzeugung aus, Hormone verursachten Brustkrebs. Nach kompletter Auswertung der Studiendaten wissen wir:

«Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, erhöht sich nach fünf Jahren Hormontherapie um lediglich ein Prozent.»

Übergewicht, Bewegungsmangel oder Alkoholkonsum sind deutlich höhere Risikofaktoren als Hormone. Wer das Rauchen aufgibt, senkt sein Risiko für Krebserkrankungen. Statistisch gesehen kommen Raucherinnen früher in die Wechseljahre und haben stärkere Beschwerden.

Labile Stimmungslage
Östrogenmangel kann sich auch auf die Psyche auswirken. Es handelt sich hierbei eher um Verstimmungen aufgrund von körperlichen Symptomen, z.B. Schlafstörungen. Durch die vielen Änderungen fühlen sich manche Frauen weniger leistungsfähig und den Anforderungen im Alltag weniger gewachsen, was etwa zu familiären Problemen führen kann. Das Aussehen verändert sich, man ist nicht mehr so fit und braucht mehr Erholungszeit. Das alles kann sich auf die Befindlichkeit niederschlagen. Wie steht es mit der Sexualität? In ihrer eigenen Praxis in Langenthal hört Dorothea Hefti häufig, dass die Frauen ein Verschwinden der spontanen Lust und eine Veränderung der sexuellen Erregbarkeit beklagen. Aufgrund des fehlenden Östrogens gibt die Scheidenschleimhaut weniger Feuchtigkeit ab und die Drüsen produzieren weniger Sekret. Dadurch entsteht ein Gefühl der Trockenheit, welches Schmerzen beim Geschlechtsverkehr verursacht.

Hier empfiehlt die Gynäkologin die Anwendung von Gleitgel oder eine lokale Hormontherapie (Salbe oder Zäpfchen für die Scheide). Die Hormone wirken gleichzeitig auf den Blasenschliessmuskel, der infolge Östrogenmangel ebenso wie die Beckenbodenmuskulatur an Straffheit verliert. Diese Therapie kann einer Urininkontinenz entgegenwirken.

Wichtig ist eine schonende Intimpflege. Nach dem Waschen sollte Frau den genitalen Bereich mit einer rückfettenden Creme pflegen, und sich das genauso zur Gewohnheit machen wie das Eincremen der Hände.

Auch die Sexualität in einer langjährigen Beziehung durchlebt Veränderungen. Diese Veränderungen zuzulassen braucht Zeit und auch Mut.

Better Aging oder was kann Frau tun?
Frauen, die sich regelmässig bewegen, haben tendenziell weniger Probleme. Man sagt, wenn man zweimal pro Woche 20 Minuten den Körper bewegt und schwitzt (Stoffwechsel wird aktiviert), dann altert man gut. Wichtig dabei: eine Sportart wählen, die Spass macht! Ausdauertraining ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Yoga, Pilates oder Tai-Chi helfen, das vegetative Nervensystem zu beruhigen und die neuen Prozesse im Körper anzunehmen. Krafttraining ist zudem gut für die Knochen. Bewegung und Aktivitäten wie Tanzen bedeuten Lebenslust und helfen gegen Verstimmungen, Schlafprobleme und Gewichtszunahme.

Gewichtszunahme
Während der Wechseljahre stellen sich auch der Energieverbrauch des Körpers und die Fettverteilung um. Die Körperform verändert sich. Tendenziell nimmt man selbst bei reduzierter Kalorienzufuhr einige Pfunde zu (bevorzugt im Bauchbereich).

Um eine Gewichtsstabilisierung zu erreichen, muss man auf eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse achten. Vitamin D und Kalzium wirken dem Knochenabbau entgegen. Empfehlenswert ist die Verwendung hochwertiger Pflanzenöle und der regelmässige Verzehr von Fisch. Als wirksamer Tipp rät die Ärztin zu einer abendlichen Fastenzeit von 12 bis 14 Stunden. Dadurch werden Mechanismen in Gang gesetzt, welche den Fettabbau fördern.

Frau muss also selber abwägen, ob sie nach 18 Uhr auf das Nachtessen und auf das süsse Bettmümpfeli verzichten sollte.

Das neue Frausein bejahen
Dorothea Hefti erachtet es als wichtig, über die positiven Folgen in dieser Phase zu reden: «Mit zunehmender Lebenserfahrung wird man gelassener und ausgeglichener. Frau weiss besser, was sie will und was sie nicht will.» Die Wechseljahre sind der Lebensabschnitt, in dem familiäre Verpflichtungen abnehmen, aber noch genügend Vitalität vorhanden ist. Wenn es gelingt, die körperlichen und sozialen Veränderungen gut zu akzeptieren, können in dieser Phase noch einmal neue Kräfte zur Lebensgestaltung freigesetzt werden.

Für die Attraktivität sehr viel wichtiger als jugendliches Aussehen ist eine positive Ausstrahlung, welche durch eine wohlwollende Einstellung zu sich selbst und in jedem Alter zu erreichen ist!

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