Männergesundheit

Das Bewusstsein der Männer fördern, gesund zu leben und sich mit ihrem eigenen Verhalten und der individuellen Vorsorge auseinanderzusetzen.

Wenn jeweils im November unzählige Männer den Schnauz wachsen lassen, entspricht das keinem Modetrend, sondern der Aktion Movember, die sich weltweit etabliert hat. Hauptanliegen der Aktion mit Schnauz und Herz sind Prostatakrebs, mit dem ältere Männer zu kämpfen haben, und Hodenkrebs, der vorwiegend Jüngere trifft. Gleichzeitig thematisiert wird das körperliche Wohlbefinden und die allgemeine Männergesundheit.

Movember setzt sich aus den englischen Wörtern Moustache (Schnurrbart) und November zusammen und bezeichnet eine Art des Fundraising. Die Teilnehmer sensibilisieren mit ihren Schnurrbärten für das Thema Männergesundheit und registrieren sich auf der Website von Movember. Die Bewegung hat sich von Australien auf 21 Länder ausgedehnt und unterstützt mit den Spendengeldern die medizinische Forschung.

Typisch männlich?
Männer sprechen viel weniger über ihre eigene Gesundheit. Woher kommt das eigentlich? Zu Zeiten des Neandertalers bedeutete Mannsein, zu jagen und Höhlen zu bauen. Deshalb mussten die Männer stark, mutig und risikobereit sein. Längst existieren die Mammuts nur noch auf Outdoorbekleidung, aber das männliche Selbstverständnis hat sich nicht grundlegend geändert.

Gerade Ärzte sind überzeugt, dass die Aktion Movember mithilft, das Bewusstsein für den eigenen Körper grundsätzlich zu erhöhen. Auch der Urologe Niklas Pelzer bestätigt, dass Movember mithelfen kann, Hemmschwellen auf humorvolle Art zu überbrücken und damit das Bewusstsein der Männer für ihre individuelle Vorsorge zu fördern, sich mit ihrem Verhalten, ihrem Körper und ihrer Gesundheit auseinanderzusetzen.

Fakt ist, Krankheit und Schmerzen gelten als Zeichen von Schwäche und Arztbesuche werden oft bis zum Letzten hinausgezögert. «Meistens melden sich Männer erst auf Anraten oder Drängen ihrer Partnerinnen oder wegen Beschwerden für einen Gesundheitscheck an», erklärt Niklas Pelzer.

Prostatakrebs – Vorsorgeuntersuchung ist wichtig
Die gute Nachricht zuerst: «Beim Prostatakrebs wird immer weniger operiert, und die Sterblichkeit nimmt trotz steigender Tendenz der Erkrankung eher ab. Das Prostatakarzinom ist der häufigsteTumor des Mannes. Viele Männer leben beschwerdefrei, ohne davon zu wissen, und werden auch nicht daran sterben. Nicht jeder Mann mit einem Prostatakrebs braucht also eine Behandlung», sagt Niklas Pelzer. Daher brauche es psychologisches Geschick und ausführliche Gespräche, um den Männern zu erklären, weshalb sie trotz Krebs keine Therapie brauchen. Das neue Behandlungskonzept «Active Surveillance» bedeutet aktiv überwachen und nur bei Bedarf eingreifen.

«Ein wichtiges Thema ist die Früherkennung.»

«Männer ab 50, bei familiärer Belastung ab 45 Jahren, sollten sich einmal gründlich von einem Urologen beraten lassen und abhängig davon einen Prostatablutwert bestimmen lassen oder nicht. Es gibt keine generelle Empfehlung für ein Prostatakrebsscreening, aber wir sind gefordert, über die Möglichkeiten der Krebsprävention zu informieren», betont der Spezialist.

Mit einem Bluttest bestimmt der Hausarzt den PSA-Wert. PSA steht für prostataspezifisches Antigen, ein Eiweissmolekül, das nur von Zellen der Prostata gebildet wird. Dieser Tumormarker bildet unter anderem die Entscheidungsgrundlage für die Durchführung einer Biopsie beim Urologen.

Die Wahl der Behandlungsverfahren hängt davon ab, ob sich der Tumor lokal auf die Prostata beschränkt oder bereits Metastasen gebildet hat. Unterschieden wird hauptsächlich zwischen der kleinen und der grossen Operation bzw. zwischen gutartiger oder bösartiger Prostataveränderung.

«Grosse Prostataoperation»: Radikale Prostatektomie bei lokal begrenztem Prostatakrebs
Vollständige Entfernung der gesamten Prostata mitsamt dem umliegenden Gewebe. Das Ziel besteht darin, die Streuung von Krebszellen auf andere Körperteile zu verhindern.

Diese Operation führt bei rund 50 bis 60% der Männer zu einer Erektionsschwäche, die vorwiegend medikamentös behandelt wird. 3 bis 10% der Betroffenen haben einen unwillkürlichen Harnverlust, der mit Beckenbodengymnastik und Medikamenten behandelt wird.

«Kleine Prostataoperation»: Transurethrale Elektroresektion bei gutartiger Prostatavergrösserung
Endoskopische Freiresektion der prostatischen Harnröhre. Diese Operation erfolgt mit einer Minikamera.

Die Ursache für Prostatakrebs ist nicht bekannt. Da in den westlichen Industrieländern die Sterblichkeit wesentlich höher ist als in Asien, nimmt man an, dass die Ernährung bei der Erkrankung eine Rolle spielt.

Junge Männer erkranken häufiger an Hodenkrebs
So gross der Schock bei der Diagnose Hodenkrebs ist: Die Heilungschancen sind mit 96 bis 98% sehr hoch. Hodenkrebs gehört zu den am besten behandelbaren Tumorarten, sogar in späten Krankheitsstadien mit Metastasen. In der Altersgruppe zwischen 20 und 40 Jahren ist Hodenkrebs der häufigste Tumor. Jedes Jahr erkranken in der Schweiz rund 400 Männer neu an Hodenkrebs.

Tückisch an der Erkrankung ist, dass sie im Anfangsstadium keine oder nur unspezifische Beschwerden macht. «Häufig sind Männer verunsichert, wenn sie beim Duschen etwas ertasten. Bei Unklarheiten wie Schwellungen, einer deutlichen Volumenzunahme oder selten auch Schmerzen sollten sie einen Urologen aufsuchen», sagt Niklas Pelzer. Um eine aussagekräftige Diagnose zu stellen, erfolgt eine klinische Tastuntersuchung. Der Urologe macht eine Ultraschalluntersuchung und testet die Blutwerte. Bei Verdacht auf Krebs ist eine Gewebeprobe unumgänglich.

In 95% der Fälle ist nur ein Hoden vom Krebs befallen. Nachdem dieser operativ entfernt worden ist, wird je nach Typ des Krebses und Stadium der Erkrankung auch nach der Heilung  eine engmaschige Nachsorge nötig.

Bei den meisten Hodenkrebspatienten bleibt langfristig die Zeugungsfähigkeit erhalten, denn der gesunde Hoden produziert genügend Geschlechtshormone und Samenzellen. Dennoch wird betroffenen Männern empfohlen, mit dem Onkologen über das Einfrieren von Samenzellen zu sprechen.

Risikofaktor: Hodenhochstand
Drei Prozent der neugeborenen Jungen kommen mit einem Hodenhochstand auf die Welt; bei Frühchen sind es sogar zehnmal mehr. Die Eltern sollten die Entwicklung verfolgen und frühzeitig den Kinderarzt einschalten. Bleibt der Hodenhochstand nach dem ersten Lebensjahr bestehen, ist die Chance für einen spontanen Abstieg sehr gering. Ist eine Hormontherapie (Nasenspray) nicht erfolgreich, wird ein chirurgischer Eingriff notwendig.

«Bleibt ein Hodenhochstand länger unbemerkt oder unbehandelt, kann es zur Unfruchtbarkeit kommen.»

Zudem wird das Risiko für die Entstehung von Hodenkrebs im Erwachsenenalter deutlich erhöht.

Ursachen unbekannt
Es gibt keine eindeutigen Erklärungen für die Ursachen von Hodenkrebs. Wie bei anderen Krebserkrankungen spielen diverse Faktoren wie Lebensstil, Bewegungsarmut, Rauchen,ungesunde Ernährung und Übergewicht hinein. «Vollkommen unbeantwortet ist die Frage, ob zwischen Handystrahlungen und einer Tumorbildung definitive Zusammenhänge bestehen. Vorsichtshalber das Smartphone nicht immer in der Hosentasche zu tragen, ist sicher nicht falsch», erklärt Niklas Pelzer. Hingegen besteht kein direkter Zusammenhang mit der Häufigkeit von sexuellen Kontakten, dem Tragen enger Hosen oder dem Ausüben von Sportarten wie Radfahren oder Boxen.

Tabuthema Erektionsstörungen
Obschon dieses unbeliebteste aller männlichen Leiden weitverbreitet ist, sind Erektionsstörungen oft ein Tabuthema. Mit dem diskriminierenden Begriff «Impotenz» wird der Mann in seiner ganzen Potenz, in seiner Lebenskraft, in seinem Mannsein herabgesetzt. Deshalb spricht man heute von Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion). Oft setzen auch Männer selbst Männlichkeit mit sexueller Kraft gleich und leiten damit ihre Identität aus der sexuellen Leistungsfähigkeit ab. Dabei stellt diese nur einen kleinen Teil ihrer Potenz dar. Vitalität zeigt sich auch in der Fähigkeit, etwas zu erzeugen, kreativ zu sein.

Mann oh Mann!
Ein erfülltes Sexualleben ist wichtig für das eigene Wohlbefinden und die Partnerschaft. Wenn man im wahrsten Sinne nicht mehr seinen Mann stehen kann, leidet das Selbstbewusstsein. Nicht zuletzt der Siegeszug von Viagra und Co. hat dazu beigetragen, dass die Wahrnehmung der «Männergesundheit» allzu oft reduziert wird auf Erektionsstörungen.

Der Spagat zwischen Beruf und Familie, also zwischen der Rolle als Ernährer und als fürsorglicher Familienvater, ist eine Herausforderung. Die Energie, um den Alltag zu bewältigen, reicht häufig kaum aus für normale Tätigkeiten und im Bett dann erst recht nicht.

Frühwarnsystem
Anhaltende Erektionsprobleme bei über 40-Jährigen sind häufig Sekundärerscheinungen und können warnende Vorboten eines Herzinfarkts sein.

«Wenn Männer feststellen, dass innerhalb von sechs Monaten die Erektion schwächer wird oder nicht stattfindet, sollten sie diese Probleme nicht ignorieren. Eine Abklärung beim Urologen kann die Störungen objektivieren. Gleichzeitig wird besprochen, ob eine vorbeugende Kontrolle durch einen Gefäss- oder Herzspezialisten Sinn macht. Die erektile Dysfunktion und die koronare Herzkrankheit haben ähnliche Risikofaktoren (Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes, Rauchen)», gibt Pelzer zu bedenken.

«Das Hauptproblem ist nicht bloss das Leiden selber, sondern die Tabuisierung. Wenn «Mann» sich entscheidet, den Arzt zu konsultieren ist ein Grossteil des Problems bereits gelöst. Es ist sinnvoll, sich auch bei milden Ausprägungen beraten zu lassen», betont der Urologe. Indem man Patienten informiert, dass 52% der Männer zwischen vierzig und siebzig zeitweise unter Erektionsproblemen leiden und die Erektionsfähigkeit mit dem Alter natürlich abnimmt, kann man sie entlasten.

Wundermittel Potenzpille?
Grundsätzlich sind Erektionsstörungen behandelbar. Die Diagnose wird mittels einer sorgfältigen Patientenbefragung und einer körperlichen Untersuchung inklusive Blutanalyse gestellt. Als erster Behandlungsschritt und gleichzeitig auch als diagnostische Hilfe erfolgt die versuchsweise Verschreibung von Medikamenten. Das ist problemlos, mit Ausnahme von wenigen Medikamenten wie beispielsweise Nitropräparaten, die nicht gemeinsam eingenommen werden sollten. Deshalb und trotz freier Verfügbarkeit (Internet) sollten rezeptpflichtige Medikamente nicht bestellt werden, ohne abzuklären, ob diese aus medizinischer Sicht angewendet werden können (individuelle Risikofaktoren, Nebenwirkungen).Potenzpillen mögen für viele ein Segen sein. Wundermittel, die auf Knopfdruck die Lust auslösen, sind sie jedoch nicht. Einen positiven Effekt sieht Niklas Pelzer jedoch darin, dass mehr Männer ihre Erektionsprobleme offen eingestehen und in der Sprechstunde darüber reden.

Was sollten Männer beachten?
Verschiedene Faktoren wie Bildung, soziales Umfeld und berufliche Stellung beeinflussen die männliche Gesundheit. Beste Prävention ist ein gesunder Lebensstil. Dazu gehören in erster Linie eine fettarme Ernährung und viel Bewegung, aber auch Psychohygiene, also der richtige Umgang mit Stress. Ausserdem sollten Männer regelmässig zu den empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen und bei Problemen zum Arzt gehen.

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