Leichter durchs Leben

Caroline F. (46) kämpfte über 20 Jahre gegen ihr Übergewicht und die damit verbundenen Schmerzen in den Knien, zu hohen Blutdruck und zu hohe Cholesterinwerte. Heute geht sie 42 Kilogramm leichter durchs Leben – aktiv und voller Lebensfreude.

Ich stehe vor der Eingangstüre eines Mehrfamilienhauses, als eine schlanke, junge Frau mir die Türe öffnet und mich freundlich herein bittet. Im ersten Moment bin ich so erstaunt, dass ich gerade noch ein vernünftiges «Grüessech» über die Lippen bringe. Diese Frau hat noch vor einem Jahr 114 kg gewogen? Fast unglaublich, wie sie heute so vor mir steht. Wir setzen uns an den gemütlich gedeckten Kaffeetisch und sie beginnt zu erzählen.

Als Kind und Teenager ist sie schlank, hat nie Gewichtsprobleme. Sie hat sich auch immer gerne und viel bewegt. Ausgelöst durch eine angeborene Fehlstellung der Hüftgelenke, haben sich jedoch bereits im Alter von 22 Jahren massive Knieprobleme bemerkbar gemacht. «Arthrose war die Diagnose. Es folgten mehrere Operationen an beiden Knien, etwa alle zwei Jahre eine OP. Dazu unzählige Kortisonspritzen. An Sport war in dieser Zeit natürlich nicht zu denken», erzählt sie nachdenklich, denn Joggen in der freien Natur war früher ihre grosse Leidenschaft.

Ihren Beruf in der Pflege, den sie so liebt, kann sie irgendwann nicht mehr ausüben. «Das war besonders hart für mich, weil ich meinen Beruf sehr liebte. So musste ich mich mit dem Gedanken auseinandersetzen, eine Umschulung zu machen», erzählt sie und lächelt dabei: «Zum Glück habe ich als Aktivierungsfachfrau eine Aufgabe gefunden, die mich ebenfalls ausfüllt und die ich sehr gerne mache.»

Doch die permanenten Schmerzen, Operationen und Kortisonspritzen gehen nicht spurlos an ihr vorbei. Mit der Inaktivität und den permanenten Schmerzen kommt auch der Frust. «Essen half mir in solchen Phasen als «Tröster» – ganz besonders Schokolade. Und danach machte sich fast jedes Mal das schlechte Gewissen bemerkbar.» 2008 ist die Arthrose in ihrem rechten Knie so schlimm, dass kein Weg mehr an einem künstlichen Kniegelenk vorbeiführt – mit noch nicht einmal 40 Jahren.

Als Caroline nach der Knieoperation fast 100 Kilogramm wiegt, beschliesst sie, etwas dagegen zu unternehmen, und probiert mehrere Diäten aus. «Ich habe so ziemlich alles probiert, was es gibt: von Diätshakes über Radikaldiäten bis zu den Weight Watchers. Und ich habe jedes Mal den berühmten Jo-Jo-Effekt erlebt und war danach noch ein bisschen schwerer als vorher. Das war, als ob man ständig im Kreis läuft und einfach nicht mehr herauskommt», schildert sie diese Zeit.

Und dann kommt im Sommer 2014 der Tag, an dem die Schmerzen auch im linken Knie so gross sind, dass sie kaum mehr laufen kann. «Ich ging zum Orthopäden nach Bern, der mir knallhart sagte, er würde mir im zweiten Knie nicht auch noch ein künstliches Gelenk implantieren, dafür sei ich definitiv zu jung. Tja, was wollte ich nun machen? Ich wusste ja, dass mein Körpergewicht für meine Gelenke nicht gerade förderlich war. Und ich hatte inzwischen auch einen viel zu hohen Blutdruck und zu hohe Cholesterinwerte, wogegen ich Medikamente nehmen musste. So habe ich an schlechteren Tagen bis zu 6 Tabletten geschluckt, inklusive Schmerzmittel. Da muss man sich irgendwann über eine Alternative Gedanken machen», beschreibt sie die damalige Situation. Das ist aber auch der Startschuss, um wirklich etwas zu ändern, um die ewigen Gelüste nach Süssem als Tröster in den Griff zu bekommen und sich wieder besser bewegen zu können.

So fängt sie an, in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis über die Möglichkeit einer Magenverkleinerung zu sprechen und sich im Internet in einem Forum mit Betroffenen auszutauschen und Erfahrungsberichte aus erster Hand zu hören. «Das war eine wichtige Phase für mich, weil mir der Gedanke schwerfiel, ein gesundes Organ operieren zu lassen. Nach vielen Gesprächen und viel Recherche im Internet habe ich mich dann aber schliesslich im Sommer dazu entschlossen, Dr. Wetz im Spital Langenthal aufzusuchen, zu dem mein Hausarzt mich nach ersten intensiven Gesprächen überwiesen hatte.»

Und im Dezember 2014 ist es dann so weit: Die Operation rückt näher und die Aufregung steigt mit jedem Tag. «Ich hatte viele gute und aufschlussreiche Gespräche mit Dr. Wetz und wusste genau, was mich erwartete. Ich freute mich einerseits, dass sich an meinem Gewicht von mittlerweile 114 Kilogramm schon sehr bald etwas ändern würde, hatte aber andererseits auch einen gewissen Respekt vor dem Eingriff.»

«Neu war für mich, dass ich überhaupt kein Hungergefühl mehr hatte.»

Die ersten Tage nach der Operation schildert Caroline als etwas schwierig, weil eine gewisse Zeit für die Umstellung notwendig war. Schmerzen hat sie jedoch kaum. «Neu war für mich, dass ich überhaupt kein Hungergefühl hatte. Und ich musste mich ganz bewusst daran gewöhnen, regelmässig zu essen. Dabei ist die Vielfalt des Essens erhalten geblieben. In den ersten Wochen habe ich mein Essen püriert, danach kam nach und nach feste Kost dazu.» Die Ernährungsberatung hat ihr dabei sehrgeholfen, wie sie betont. Sie muss für sich Schritt für Schritt herausfinden, was ihr gut tut und was sie nicht verträgt. «Das war manchmal ein besonderes Abenteuer, gut auf den eigenen Körper zu hören», schmunzelt sie.

Heute, fast 18 Monate nach der Operation, wiegt Caroline 72 Kilogramm und strahlt: «Die vielen Medikamente wegen des zu hohen Blutdruckes und Cholesterinwertes gehören der Vergangenheit an. Und auch das zweite künstliche Kniegelenk ist in weite Ferne gerückt.» Einzig ein Multivitaminpräparat nimmt sie täglich ein. Das ist alles. Und sie bewegt sich wieder – viel und gern: Aquajogging, Walken und Laufen gehören zu ihren Favoriten. Auch bei ihrer Arbeit fühlt sie sich fitter als vorher. Zudem ist sie seit September letzten Jahres frisch verliebt. «Die Operation hat mein Leben verändert. Sie hat mir die Bewegung, Disziplin und die Lebensqualität zurückgegeben. Natürlich ist man gefordert, auch seinen Teil dazu beizutragen. Auch auswärts essen macht Freude,denn man isst bewusster als vorher, wenn auch viel kleinere Portionen. Aber daran gewöhnt man sich.»

Sie möchte anderen Betroffenen Mut machen, sich über Alternativen zu informieren und das Gespräch mit Fachleuten zu besuchen: «Man spürt, wann der richtige Zeitpunkt dafür da ist und ob dies der richtige Weg für einen ist. Und es lohnt sich, sich von Fachleuten beraten zu lassen und ihnen zu vertrauen, denn dadurch gewinnt man letztlich viel an Lebensqualität und Lebensfreude zurück. Und diesem neuen Glück Sorge zu tragen, liegt bei jedem selber.»

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