Das neue Geburtshaus

Kommt ein Kind auf die Welt, berührt das die Menschen zutiefst. Einige Frauen entscheiden sich, in einem Geburtshaus zu gebären.  
Das wird ab Sommer 2021 in Langenthal möglich sein. Im Interview mit Dr. med. Daniele Bolla, Chefarzt Gynäkologie, und Ruth Erhard, Bereichsleiterin Frauenklinik, erfahren wir mehr über das neue Geburtshaus.

Auch in der Schweiz besteht  ein zunehmendes Bedürfnis, im Rahmen eines Geburtshauses zu gebären. Die persönliche Be treuung und die entspannte Atmosphäre übertragen sich auf die werdende Mutter und ihr Kind. Einfühlsam betreut von einer Beleghebamme, die sie meistens schon während der Schwangerschaft begleitet hat. 

Welches sind die Beweggründe für ein Geburtshaus in Langenthal?
Dr. med. Daniele Bolla: In den letzten Jahren sind Hausgeburten deutlich zurückgegangen; sie werden gewählt von Frauen, welche die Geburt ihres Kindes in ihrer gewohnten Umgebung erleben wollen. Das Geburtshaus ermöglicht einen ruhigen, ausserklinischen Rahmen für die natürliche Geburt nahe der Klinik. Der Wunsch nach diesem ganz heitlichen Geburtserlebnis besteht bei Schwangeren und Hebammen. Bisher fehlte ein Geburtshaus in der erweiterten Region Oberaargau. 

Wie charakterisieren Sie die Philosophie des Geburtshauses?
Ruth Erhard: Im Geburtshaus finden physiologische Geburten statt. Ganz besonders geht es darum, das Vertrauen der Schwangeren in ihre eigene Kraft und die natürlichen Vorgänge im Körper zu stärken. Zu unserer Philosophie gehört, dass jede Frau ihr Kind in ihrem eigenen Rhythmus in einem geschützten Rahmen gebären kann. Umso wichtiger ist es, dass sich die werdende Mutter wohlfühlt, emotional getragen wird und ihre Intimsphäre gewahrt bleibt.

Was ist anders als im Spital?
Bolla: Hervorzuheben sind die kontinuierliche Begleitung und die Eins-zu-eins-Betreuung durch die Hebamme in diesem speziellen Kollektiv. Die rege Betriebsamkeit im Spital fehlt. Beim sorgfältig geplanten Konzept des Geburtshauses kann, solange die Geburt physiologisch verläuft, den Bedürfnissen der Frau Raum gegeben werden. Auf medikamentöse Interventionen wird verzichtet.

Wo befindet sich das Geburtshaus und wie werden die Räumlichkeiten gestaltet?
Erhard: Über eine Steintreppe oder den Lift gelangt man in das Gebäude, wo einst das ursprüngliche Frauenspital angesiedelt war. Das Türmchen auf dem Dach symbolisiert eine magische Verbindung und das warme, persönliche Ambiente in den beiden Gebärzimmern vermittelt Geborgenheit. In einem behaglichen Wohnraum mit einer Küche fühlen sich auch Partner und Geschwister wohl.

Welches sind die medizinischen Kriterien?
Bolla:
Das Geburtshaus steht allen gesunden Schwangeren offen, die sich eine aktive und selbstbestimmte Geburt wünschen. Voraussetzung sind  ein normaler Verlauf der Schwan gerschaft sowie eine regelrechte kindliche Lage mit dem Köpfchen voran. Mehrlingsgeburten, Quer- oder Beckenendlage des Kindes oder komplizierte Schwangerschaftsverläufe verlangen eine geburtshilfliche Spitalbetreuung.

Ein Geburtshaus steht für Geburtshilfe, nicht für Geburtsmedizin. Weshalb?
Erhard: Im Zentrum steht die fortwährende Hebammenbetreuung, welche individuell und nahe ist. Im Geburtshaus wird auf die Verabreichung starker Schmerzmittel verzichtet. Unser Credo: so wenig wie möglich,  so viel wie nötig. Sanfte Alternativen wie Homöopathie, Aromatherapien oder Massagen können helfen, Schmerzen zu lindern. Die Entbindung erfolgt ambulant; auf Wunsch der Frau besteht die Möglichkeit zu übernachten.

Und sollten wider Erwarten Komplikationen auftreten?
Bolla: Bei einem akuten medizinischen Problem (z. B. Notkaiserschnitt, Saugglocken- oder Zangengeburt) stehen jederzeit die geburtshilflichen Ärzte und die moderne Infrastruktur der SRO-Frauenklinik bereit, um rasch intervenieren zu können. Die Nähe zum Spital war während der Planung des Geburtshauses ein zentraler Punkt. Dies gewährleistet eine grösstmögliche Sicherheit und eine rasche ärztliche Betreuung ohne lange Wege. 

zurück zur Übersicht

Tip-A-Friend

Seite Empfehlen

Seite weiterempfehlen

captcha