Das kleine, unbekannte Klärwerk

Sie filtern das gesamte Blut eines Menschen etwa 300 Mal am Tag. Insgesamt sind dies im Durchschnitt etwa 1500 Liter Blut. Damit erbringen unsere Nieren eine absolute Höchstleistung im Körper, von der wir in der Regel überhaupt nichts merken.

Die Nieren sind das «Klärwerk» unseres Körpers, denn sie bilden den Urin, filtern Giftstoffe aus dem Blut und führen diese ab. Doch die Nieren haben noch andere wichtige Funktionen, die weit weniger bekannt sind: Sie sind zuständig für die Blutdruckregulation, den Knochenstoffwechsel sowie die Blutbildung. Mit den Nieren beschäftigen wir uns in der Regel erst eingehender, wenn irgendetwas in diesen Prozessen nicht mehr so läuft, wie es sollte. Und oft bereiten die Nieren erst sehr spät Probleme, da es versteckte Organe sind und die Nierenfunktion bei konkreten Beschwerden oft bereits unter 60 Prozent liegt.

Ursachen für Nierenerkrankungen
Dr. med. Thomas Künzi, Stellvertretender Chefarzt Medizin und Ärztlicher Leiter der Abteilung Nephrologie und Dialyse, klärt auf: «Früher traten Nierenerkrankungen in der Schweiz vor allem als Nebenwirkung von chronischem Schmerzmittelgebrauch auf, primär bei Arbeitern in der Uhrenindustrie. Heute haben sich die Ursachen verschoben: Vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und hoher Blutdruck sind für Nierenerkrankungen verantwortlich. Durch zusätzlichen Nikotingenuss steigt das Risiko nochmals erheblich an.» Vererbte Nierenerkrankungen oder Entzündungen treten verhältnismässig selten auf.

Ein Organ mit Reserven
Wenn wir geboren werden, verfügt jede unserer Nieren über etwa eine Million sogenannter Filterkörper. Mit zunehmendem Alter verlieren viele dieser Filterkörper ihre Funktion. Dr. Künzi erklärt: «Es kann sein, dass eine Person mit 85 Jahren nur noch über 60 Prozent an funktionierenden Filterkörpern verfügt und trotzdem vollkommen gesund ist. Die Natur hat hier einiges an Reserven vorgesehen.» Werden durch zusätzliche Erkrankungen nun deutlich mehr dieser Filterkörper zerstört, kann dies irgendwann zum Problem werden, wenn dieser Prozess nicht mit einer wirksamen Behandlung verlangsamt oder gestoppt werden kann.

«Tief im Inneren unseres Körpers liegen die beiden Nieren, die unser Blut reinigen und es von Giftstoffen befreien.»

Diagnose von Nierenerkrankungen
Sobald der Verdacht auf eine mögliche Nierenerkrankung besteht, wird in der Regel eine Untersuchung von Blut und Urin vorgenommen. Zusätzlich erfolgt ein Ultraschall der beiden Nieren und in manchen Fällen sogar eine Biopsie (Gewebeentnahme). Steht die Ursache für die Nierenerkrankung fest, beginnt man mit der Therapie und der Behandlung der Ursachen, welche dem Patienten dargelegt und mit ihm besprochen werden. Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder gewisse Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden dabei primär mit Medikamenten behandelt.

Therapie und Nierenersatz – was ist passend?
Was passiert jedoch, wenn die Nieren bereits so weit geschädigt sind, dass eine medikamentöse Behandlung nicht mehr ausreicht? Das wohl bekannteste Nierenersatzverfahren ist die Hämodialyse, die Blutwäsche, bei welcher das Blut mit einer Maschine durch einen Filter geführt wird. Hierbei wird der Patient dreimal wöchentlich an die Maschine angeschlossen, welche in etwa vier Stunden die Reinigung des Blutes übernimmt. Es gibt jedoch noch andere Verfahren, die – je nach Krankheitsbild – ebenfalls geeignet sind und dem Patienten mehr Flexibilität ermöglichen. Dr. Künzi: «Die sogenannte Peritonealdialyse, auch Bauchfelldialyse genannt, ist eine weitere Möglichkeit. Dafür müssen jedoch einige gesundheitliche Voraussetzungen gegeben sein, und es braucht eine gewisse Selbstständigkeit und ein gutes technisches Verständnis vonseiten des Patienten.» Bei dieser Art der Dialyse dient das Bauchfell als Dialysemembran, als Filter. Mehrmals täglich wird eine Dialysatlösung über einen Katheter in den Bauchraum gefüllt und nach ein paar Stunden wieder abgezogen und durch neue Lösung ersetzt. «Vorteil dieses Verfahrens ist, dass es wesentlich schonender ist und dem Patienten erheblich mehr Flexibilität ermöglicht, denn ein Arztbesuch ist nur etwa alle vier bis sechs Wochen erforderlich», erläutert Dr. Künzi.

«Unsere Nieren mögen einen gut eingestellten Blutdruck, einen gut eingestellten Blutzucker und gut kontrollierte Blutfette.»

Nierentransplantation
Für eine mögliche Nierentransplantation müssen diverse Gewebeeigenschaften passen, daher werden meist Familienmitglieder getestet. Findet sich im Umfeld des Patienten kein passender Spender, wird man auf eine Warteliste gesetzt.  «Leider gibt es noch immer weitaus mehr Empfänger als Spender», meint Dr. Künzi. «2017 waren gemäss Swisstransplant über 1550 Personen auf der Warteliste und 360 Transplantationen wurden durchgeführt – also ungefähr ein Viertel.»

Wie kann man vorbeugen?
Dr. Künzi empfiehlt: «Ein gesunder Lebensstil ist für unseren Körper das A und O. Und was für den Körper gesund ist, ist auch für die Nieren gesund. Man sollte pro Tag etwa zwei Liter Wasser trinken, Alkohol nur mässig geniessen und auf Nikotin verzichten.» Bei Patienten mit Herz-Kreislauf- Problemen, Diabetes mellitus oder Bluthochdruck sollte ein einfacher Urintest zur Früherkennung gemacht werden. Denn im Urin enthaltene Eiweisse können bereits frühzeitig auf eine Nierenkrankheit hinweisen.

Worauf ist besonders zu achten?
Wenn Sie unter Herz-Kreislauf- Problemen, Diabetes mellitus oder Bluthochdruck leiden, lassen Sie sich regelmässig von Ihrem Arzt durchchecken. Dazu gehört auch der oben erwähnte Schnelltest, denn im Urin sind die Anzeichen einer Nierenerkrankung früher sichtbar als im Blut. Sobald sich im Körper Wasseransammlungen, sogenannte Ödeme, bilden, der Säure-Basen und der Mineralstoffhaushalt aus dem Gleichgewicht geraten oder durch Blutarmut permanente Müdigkeit auftritt, sollten unbedingt detailliertere Untersuchungen vorgenommen werden.

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