Geburtsschmerz

Die Geburt eines Kindes ist in der Regel mit starken Schmerzen verbunden. Ruth Erhard, Bereichsleiterin Hebammen im SRO, weiss jedoch, dass die meisten Frauen den Wehen trotzdem viel Gutes abgewinnen können. Denn bei der Geburt unterstützen die Schmerzen den Weg zum Ziel. Ohne sie geht es nicht.

Ruth Erhard, ist es für Sie als Hebamme positiv, wenn eine Ihrer Patientinnen Schmerzen verspürt?
Es stimmt: Ich freue mich, wenn eine Frau rund um den Geburtstermin regelmässige Wehen bekommt. Für uns Hebammen – und auch für die gebärenden Frauen – ist das ein Anzeichen dafür, dass es mit der Geburt vorwärtsgeht. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von guten Wehen, von guten Schmerzen. Diese sind nötig und unterstützen den Geburtsverlauf.

Positive Schmerzen? Das kann ich Ihnen fast nicht abnehmen. Schmerzen sind doch per se etwas Schlimmes.
Bei einer Geburt können Schmerzen deshalb als positiv empfunden werden, weil ihnen sehr aktiv begegnet werden kann. Stellen Sie sich vor: In der allerletzten Phase der Geburt verspüren Frauen zuweilen das starke Bedürfnis, mitzupressen – oftmals begleitet von lautem Tönen und Prusten. Solche Dinge haben in diesem Moment eine positive Wirkung, weil man aktiv zur Geburt beiträgt. Eine Geburt lässt eine Frau nicht einfach so geschehen. Die Unterstützung und Begleitung durch die Hebamme ist in jeder Phase der Geburt sehr hilfreich und sie kann die Frau darin bestärken, dass sie es schafft.

Die Geburtenabteilung im SRO ist heute so eingerichtet, dass bei werdenden Eltern eigentlich keine Wünsche mehr offenbleiben. Welche Möglichkeiten stehen zur Verfügung, damit die Geburt und der Klinikaufenthalt zum positiven Erlebnis werden?
Die Möglichkeiten sind tatsächlich zahlreich. Ausser der wichtigen Betreuung durch Hebammen möchte ich unsere alternativen Behandlungsmethoden wie Akupunktur und Homöopathie hervorheben. In letzterem Bereich verfügen mehr als die Hälfte unserer 14 Hebammen über eine spezielle Ausbildung. Auch bei der Infrastruktur sind wir seit dem Umbau auf dem neuesten Stand: Einerseits verfügt nun jedes Gebärzimmer über eine eigene Wanne – die Geburt im warmen Wasser hat erwiesenermassen eine schmerzlindernde Wirkung. Andererseits haben wir jetzt in jedem Zimmer die Möglichkeit, besondere Stimmungen und Atmosphären zu erzeugen, indem wir die Lichtverhältnisse und die Farbtöne den Wünschen sowie Bedürfnissen der Frauen anpassen können.

Die Atmosphäre im Gebärzimmer scheint also sehr wichtig zu sein. Kann diesbezüglich auch der Partner eine aktive Rolle einnehmen?
Unbedingt, ja. Die Unterstützung des Partners ist sehr wichtig, um mit Geburtsschmerzen umgehen zu können. Er kann seine Partnerin loben oder massieren, er kann ihr etwas zu trinken reichen oder mit einem feuchten Tuch die Stirn abwischen. Er kann zudem mithelfen beim Wechseln der Positionen oder er kann eine andere Musik auflegen. Das Dasein und Mitgehen bei der Geburt ist sehr wichtig. Insofern vollbringt auch der Partner eine Höchstleistung. Wir Hebammen zeigen den Partnern gerne, wie sie diese Aufgabe umsetzen können.

Wenn wir schon von Schmerzen reden: Ist die Geburt eigentlich auch für das Baby schmerzhaft?
Man geht davon aus, dass das Ungeborene die Geburt aktiv miterlebt. Es kommt natürlich vor, dass die Geburt den Einsatz von Hilfsmitteln erfordern kann. Ich meine damit beispielsweise eine Saugglocke. Es lässt sich feststellen, dass Babys unmittelbar nach der Geburt unruhiger, gestresster oder empfindlicher sind, wenn künstlich nachgeholfen werden musste.

Als vierfache Mutter wissen Sie selbst sehr gut, wie sich Geburten anfühlen und welche Emotionen und Eindrücke damit verbunden sind. Was möchten Sie werdenden Eltern mit auf den Weg geben?
Es gibt nichts zu beschönigen: Schwangerschaften und insbesondere Geburten sind mit Vorfreude, aber auch mit Schmerzen verbunden. Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch bestätigen und unterstreichen, dass es sich lohnt, die Geburtsarbeit und den Geburtsschmerz auf sich zu nehmen. Beides ist nötig, damit neues Leben entstehen kann. Wer dieses Bewusstsein entwickelt und dies zulässt, wird eine positive Einstellung zum Geburtsschmerz erhalten. Es dann geschafft zu haben und das Neugeborene auf dem Bauch zu fühlen nach der Geburt, lässt uns Frauen dann wieder vieles vergessen.
 

Geburtenabteilung mit breitem Angebot

Die Frauenklinik der SRO AG ist spezialisiert darauf, Schmerzen zu lindern. Werdenden Müttern stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung.

Infrastruktur:

  • Moderne Gebärzimmer mit Gebärwanne
  • Flexibel verstellbare Gebärbetten für zahlreiche Positionswechsel
  • Diverse Hilfsmittel wie Lianen, Hocker, Gymnastikbälle
  • Individuell einstellbare Farb- und Lichtverhältnisse, um Atmosphäre zu schaffen

Methoden und Medizin:

  • Massagen mit oder ohne Öl, nach Wunsch unter Beigabe von duftenden Essenzen
  • Homöopathie
  • Akupunktur
  • Warme Wickel, nach Wunsch mit Essenzen
  • Medikamentöse Behandlungen zur Schmerzlinderung
  • PDA (Periduralanästhesie)

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