Dankbarkeit an jedem Tag

Seit fast vier Jahren muss Susanna Waeber (69) regelmässig ins Spital zur Dialyse, da ihre Nierentätigkeit nur noch sehr eingeschränkt funktioniert. Trotzdem ist sie dankbar und geniesst ihr Leben – jeden Tag.

«Angefangen hat es vor 25 Jahren», erzählt Susanna Waeber. Als berufstätige Frau und Mutter hatte sie allerhand um die Ohren. «Fürs Kranksein hatte ich einfach keine Zeit.» Und so ignoriert sie die Signale ihres Körpers, dass irgendetwas nicht mehr stimmt. Die Beine schmerzen und sie kann nur noch kurze Strecken gehen, muss immer wieder stehen bleiben. «Schaufensterkrankheit nennt man das», erzählt sie weiter. Ihre Beinarterien funktionieren nicht mehr richtig und so werden ihr in beiden Beinen Bypässe eingesetzt.

Leben mit Diabetes
Gleichzeitig wird bei ihr Diabetes Typ 2 diagnostiziert. «Damit kann man gut leben, wenn man sich an die Anweisungen der Ärzte hält», erzählt Susanna Waeber weiter. Doch mit den Jahren zeigen sich die Nebenwirkungen der Krankheit und auch ernsthafte Folgen: Vor fünf Jahren müssen ihr Zehen amputiert werden. «Zu diesem Zeitpunkt wurde eine gründliche Untersuchung durchgeführt. Dabei hat man festgestellt, dass meine Nierenfunktion als Folge der Diabeteserkrankung nur noch bei etwa 25 Prozent lag.»

Neu orientieren
Diese Diagnose war ein Schock für Susanna Waeber: «Ich wollte es einfach nicht wahrhaben und wehrte mich dagegen.» So lange, bis es nicht mehr geht. Denn eines Nachts wacht sie auf und glaubt, zu ersticken. «Das war eine enorm beängstigende Situation. Ich bin sofort aufgestanden, um wieder besser Luft zu kriegen. In meiner Lunge war Wasser, das durch die verminderte Nierentätigkeit nicht mehr abgeführt werden konnte.»

Hämodialyse – um zu überleben
Von da an ist ihr klar, dass sie den Tatsachen ins Auge sehen und regelmässig zur Dialyse muss – dreimal pro Woche. Dazu kommen zahlreiche Medikamente, um den aktuellen Gesundheitszustand zu erhalten. «Mein Mann und mein Sohn waren sofort bereit, mir eine Niere zu spenden. Leider haben die Tests gezeigt, dass die Gefahr einer Abstossung des gespendeten Organs relativ gross wäre. Daher habe ich darauf verzichtet.» Seither prägt die Dialyse den Alltag des mittlerweile pensionierten Ehepaares.

Neuer Alltag
Jeden zweiten Tag fährt die 69-jährige nun ins Spital Langenthal zur Hämodialyse, die jeweils den ganzen Nachmittag dauert. Personal und Patienten kennen sich und die Dialysestation ist mittlerweile eine Art zweites Zuhause geworden. «Wir kennen uns alle, unterhalten uns und ich fühle mich wirklich rundum gut betreut.» Die neuen Räumlichkeiten sind grosszügig und hell. «Ich liebe es, aus dem Fenster zu schauen oder zu lesen, wenn ich hier bin.»

Die restlichen Tage werden genutzt um einzukaufen, mit dem Hund spazieren zu gehen oder einfach mal einen kleinen Ausflug zu machen. Denn wenn sie nach der Dialyse nach Hause kommt, ist Susanna Waeber so erschöpft, dass sie sich sofort schlafen legt. «Das Gerät übernimmt in vier Stunden die Arbeit, welche gesunde Nieren normalerweise in 48 Stunden machen. Dies ist schon eine Belastung und macht müde.»

Leben mit Einschränkungen
Susanna Waeber und ihr Mann sind früher viel und gern gereist. Das ist heute leider nicht mehr möglich, da sie jeden zweiten Tag zur Dialyse muss. «Das ist die einzige Einschränkung, die mich etwas traurig stimmt, denn grosse Reisen, wie wir sie früher gemacht haben, sind heute so gut wie unmöglich.» Selbst wenn sie nur für eine Woche verreisen möchte, muss vorher am Zielort ein Dialyseplatz gefunden und reserviert werden. «Das ist meist alles andere als einfach und hat schon oft dazu geführt, dass wir zu Hause bleiben mussten. Ich hoffe sehr, dass es diesen Sommer in Italien klappt.»

Dankbarkeit – jeden Tag
Trotz dieser Einschränkungen ist Susanna Waeber mit ihrem Leben zufrieden: «Mir geht es gut und ich kann in meinem Alltag immer noch fast alles machen, wozu ich Lust habe. Ich bin froh, dass ich einen so lieben Mann habe, der mich in vielem unterstützt und für mich da ist.» Diese bewusste Dankbarkeit ist auch mit ein Grund, warum sie sich nicht auf eine Warteliste für eine Organspende hat setzen lassen: «Es gibt so viele junge Menschen, die viel dringender auf eine Spenderniere angewiesen sind und die ihr ganzes Leben noch vor sich haben. Ich würde nie jemandem eine solche Chance wegnehmen wollen.» Ihr Leben ist geprägt von Zufriedenheit, Optimismus, Fröhlichkeit und Zuversicht. Und so träumt sie davon, vielleicht doch noch einmal für ein paar Wochen nach Kanada fliegen zu können – in das Land, das sie schon viermal mit ihrem Mann bereist hat. Es wäre ihr auf jeden Fall zu wünschen.

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