|
Hans Peter Kuert kämpfte für das Zentrumsspital in Langenthal – dafür heimste er Lob ein. Oft kassierte er aber auch Prügel – etwa wenn er Spitäler schliessen wollte. Nun nimmt der Direktor der Spital Region Oberaargau den Hut.
Hans Peter Kuert hört auf: 6 Jahre lang war der 59-jährige Langenthaler Direktor der Spital Region Oberaargau (SRO) AG. Nun tritt er auf Ende 2010 zurück. Kuert betont auf Anfrage, dass er der SRO aber auch 2011 noch erhalten bleibe. Künftig wird er diverse strategische Projekte der Spitalgruppe leiten.
«Ein Verschleiss-Job»
Trotzdem fällt ihm der Abschied nicht leicht: «Mein Herz schlägt zu 120 Prozent für das Spital», sagt Kuert. Mit seinem Rücktritt wolle er nun Platz machen für seinen Nachfolger. Der Grund: Ab 2012 gilt die neue Spitalfinanzierung. Der Wettbewerb zwischen den Spitälern wird sich verschärfen. Wenn er nun bereits vor dem Systemwechsel zurücktrete, könne sich der Nachfolger besser einarbeiten.
Kuert lässt aber auch durchblicken, dass er mit bald 60 Jahren ein wenig ausgelaugt ist. «Spitaldirektor ist ein Verschleiss-job.» Er bewege sich in einem politischen Umfeld, das einer Planwirtschaft gleiche. «Man hat Macht und Prestige, wird aber auch geprügelt.» Es gebe wohl wenige Führungspositionen, die anspruchsvoller seien. Seinen grössten Erfolg feierte Kuert Anfang Jahr mit dem Ja des Grossen Rats zum 75-Millionen-Kredit für das Spital Langenthal. Dank dieser Finanzspritze kann das Spital ausgebaut werden und hat nun gute Karten für die Zukunft. Das Ja zum Kredit bezeichnet Kuert denn auch als «Meilenstein». Umso befriedigender sei es, «auf dem Gipfel des Erfolgs» abzutreten. Kuert verhehlt allerdings nicht: Wäre der Millionenkredit nicht bewilligt worden, dann wäre er «eher nicht» bereits auf Ende 2011 zurückgetreten. Stattdessen hätte er für sein Spital weitergekämpft. |
St.Gallen und Amerika
Kuert, Langenthaler Burger und Vater zweier Söhne, hat an der Hochschule St.Gallen Betriebswirtschaft studiert. Nach dem Abschluss arbeitete er für das Textilunternehmen Lantal in den USA. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz leitete er die Geschicke der Firma in Langenthal mit. 1991 machte er sich als Berater selbstständig. Mitte der 90er-Jahre bekam er den Auftrag, die damals noch vier Spitalverbände im Oberaargau zur heutigen SRO zusammenzuführen. Im Jahr 2000 wurde er SRO-Verwaltungsratspräsident, 5 Jahre später Direktor.
Ab 2011 wird der abtretende Direktor nun weiterhin die Umsetzung des Masterplans für den Spitalausbau in Langenthal betreuen. Darüber hinaus bleibt er zuständig für die Aussenstandorte der SRO in Huttwil, Herzogenbuchsee und Niederbipp.
Rochade bei der SRO
Jetzt beginnt auch die Suche nach einem neuen Direktor. Das Dossier betreut eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von SRO-Verwaltungsratspräsident Dieter Widmer. Bis im Sommer soll ein Nachfolger bestimmt sein. Widmer wünscht sich einen «Unternehmer und keinen Manager». Dass dieser den Oberaargau und das Gesundheitswesen kenne, sei keine Bedingung, «sicher aber von Vorteil».
Kuerts Abgang ist allerdings nicht die einzige Rochade an der Spitze der SRO. Auf Ende August verlässt Thomas Trösch, bisher Leiter des Departements Betriebswirtschaft, das Unternehmen. Er wird Geschäftsführer einer Pflegeinstitution.
Tröschs Nachfolge tritt Kurt Eichenberger an, der aktuell den Direktionsstab der SRO leitet. Eichenberger ist promovierter Naturwissenschaftler und diplomierter Wirtschaftsinformatiker. Für seine neue Aufgabe sei er «sehr gut gerüstet», schreibt die SRO in einer Mitteilung.
© Berner Zeitung, 25.03.2010 |